Was denkst Du, Marc ... wie wird KI den Beruf Kommunikationsdesign verändern?

Marc Todesco 20. Februar 2026

Ich glaube, wir stehen vor einer der größten Veränderungen unseres Berufsbilds – vielleicht der größten seit Jahrzehnten.

Die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz fühlt sich an wie ein Startschuss, der noch gar nicht gefallen ist – und trotzdem sind schon alle losgerannt. Die Geschwindigkeit ist unglaublich. Das Potenzial kaum vorstellbar.

Es hilft nichts zu sagen: „Damit habe ich nichts zu tun. Meinen Beruf wird das nicht betreffen.“
Doch. Es wird uns betreffen. Sehr sogar.

Marc Todesco, BDG | Kommunikationsdesigner, KI-Manager (IHK) und Inhaber von IDEE Werbung – Agentur für Werbung, Design und Neue Medien beschäftigt sich intensiv mit dem Thema KI und dem ethisch verantwortungsvollen Einsatz.

KI ist nicht neu – aber ihre Geschwindigkeit ist es

Künstliche Intelligenz existiert nicht erst seit gestern. An ihr wird seit den 1950er-Jahren geforscht. Der Unterschied zu früher ist jedoch entscheidend:

Früher gab es zwischen Entwicklungsschritten ausreichend Zeit, sich anzupassen. Heute entwickeln sich Systeme in einer Geschwindigkeit, die uns kaum noch Luft zum Durchatmen lässt. Die nächste Generation KI wirkt bereits an der Entwicklung ihrer Folgeversion selbst mit.

Dennoch bedeutet das nicht, dass nun jeder Beruf Gefahr läuft, ersetzt zu werden. Es bedeutet vielmehr, dass sich Rahmenbedingungen schneller verändern als je zuvor.

Ein Blick zurück: Desktop-Publishing und die 90er

Vor über 30 Jahren hatte ich meine erste Berührung mit funktionalen Layout-Programmen. Anwendungen wie PageMaker ermöglichten plötzlich etwas, das zuvor Spezialisten vorbehalten war: Satz und Layout am Computer.

Davor habe ich Anzeigen noch mit Rubbelbuchstaben gesetzt und Reinzeichnungen von Hand erstellt. Danach wurden mit der Reprokamera Filme belichtet, die dann zum Drucker gingen. Es gab Schriftsatz-und ganze Druckvorstufen-Abteilungen – Berufszweige, die heute nicht mehr existieren.

Die Akzeptanz der mit den Programmen erstellten Daten war mäßig, der Transfer zur Druckerei mittels handtaschengroßer Disketten umständlich.

Und trotzdem: Ich habe diese neuen Programme damals mit Neugier und Begeisterung entdeckt. Ich habe experimentiert, gespielt, Potenziale erkannt. Genau diese Haltung brauchen wir heute wieder.

Neugier statt Verweigerung

Viele von uns wissen noch gar nicht wirklich, was KI kann – oder was sie nicht kann.

Die Frage ist nicht, ob wir uns damit beschäftigen sollten, sondern wie.

KI ermöglicht Dinge, die bisher nur mit großem Budget oder spezialisierten Fachkräften möglich gewesen wären. Aufgaben, an die wir uns gar nicht herangetraut hätten, werden plötzlich greifbar.

Entscheidend ist demnach:  Wie setzen wir diese Werkzeuge ein – und wofür?

Unser Berufsbild verändert sich schon immer

Wenn wir ehrlich sind, war unser Beruf noch nie statisch: unsere Berufsbezeichnung wechselte je nach Ära: Gestaltung, Grafik, Grafikdesign, Kommunikationsdesign.
Allein diese Begriffe zeigen, wie sich der Fokus stetig ändert und erweitert. Es geht längst nicht mehr nur um Gestaltung im visuellen Sinne. Wir gestalten Kommunikation, Prozesse, Konzepte und Zusammenhänge.

Und genau das bleibt unser Kern.

Human in the Loop – der Mensch bleibt entscheidend

Ja, KI kann automatisieren.
Ja, KI kann analysieren.
Ja, KI kann gestalten.

Aber zumindest heute – und vermutlich noch länger als die meisten befürchten – kann sie nicht fühlen, nicht empathisch reagieren, nicht echte menschliche Erfahrung ersetzen. Der Mensch bleibt der finale Entscheider:

der Human in the Loop.

Vielleicht werde ich in Zukunft nicht mehr dafür bezahlt, Visitenkarten zu setzen oder Flyer zu layouten. Vielleicht erstellt eine KI irgendwann ein Corporate Manual. Möglich.

Aber der Weg dorthin?

Workshops, Gespräche, Verständnis für ein Unternehmen, seine Werte, die Mitarbeitenden, seine Kultur – das braucht Dialog, Erfahrung und Empathie. Dafür braucht es Menschen.

Erfahrung vs. Geschwindigkeit

Wenn ich junge Kolleginnen und Kollegen sehe, bin ich beeindruckt von ihrer Geschwindigkeit, ihrer fachlichen Kompetenz und ihrer schnellen Auffassungsgabe. Das werde ich in dieser Form vermutlich nicht mehr erreichen.

Aber ich habe Erfahrung. Erfahrung ist Kontext, Intuition, Einordnung.
KI kann viel lernen, aber gelebte menschliche Erfahrung ist mehr als Datensätze.

Risiken ehrlich benennen

Wir sollten uns nichts vormachen:
Einige Berufe werden verschwinden. Wer sich nicht auf diese neue Herausforderung einlassen will, wird den Anschluss verlieren.

Der wichtigste Punkt bleibt unsere Haltung und das Verständnis, KI nicht als Gegner zu sehen, sondern als ein unglaublich mächtiges Werkzeug.

Ein Werkzeug, mit dem wir:

  • Zeit sparen
  • Prozesse verbessern
  • eigene Painpoints reduzieren
  • effizienter und strukturierter arbeiten

Unser Beruf wird sich weiterentwickeln – so wie er es immer getan hat. Die Frage ist nicht, ob Veränderung kommt, sondern wie aktiv wir sie mitgestalten.

Jetzt ist der Moment

Die Entwicklung rast, alles wird schneller, die Situation ist unbequem und teilweise beängstigend.
Aber genau jetzt ist der Moment, sich damit zu beschäftigen. Nicht morgen. Nicht irgendwann. Jetzt.

Wir können auf den Zug aufspringen und den Wandel mitgestalten – oder wir können zusehen, wie er ohne uns weiterfährt.

Ich bin überzeugt:

Der Mensch bleibt relevant. Empathie bleibt relevant. Dialog bleibt relevant.

Und unser Beruf?

Der wird nicht verschwinden. Er wird sich – wie so oft – neu definieren.

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Dieser Beitrag ist ein Teil von „Was denkst du … über KI?“ 

Wir blicken in dieser Blog-Serie ganz persönlich und/oder aus unterschiedlichen Perspektiven auf den Themenkomplex. Wie verändert KI Kommunikationsdesign? Was bedeutet das für Gestaltung und für uns als Gestalter:innen? Chance oder Risiko oder irgendwas dazwischen? Viele Gedanken, alle ohne Anspruch auf Vollständigkeit – aber als Einladung zum Weiterdenken und Mitdiskutieren. Wenn du deine Perspektive teilen willst, kommentiere oder sende uns deinen Blogbeitrag unter perspektiven@bdg.de